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Über Die Faszination, Kühen beim Kauen zuzusehen

Gut anderthalb Stunden Fahrt sind es von uns bis zur holländischen Grenze. Ein nettes Ziel für ein Wochenende. Südlohn liegt nur fahrradweit entfernt von Winterswijk, was zum einen ein nettes Städtchen sein soll und zum anderen den größten Campingausstatter Hollands beherbergt. Auf einem Biobauernhof kann man hier mit Stromanschluss gemütlich unter Eichen parken. 

Wir sind an dem Freitag die ersten und auch – wie sich rausstellt – die einzigen Camper hier. Mist, freie Platzwahl und das noch zu dritt. Nach einigem hin und her rangieren sind wir uns halbwegs einig. Also Markise ausgefahren (siehe 1. Teil des Blogs), um das Revier zu markieren, Stühle und Tische raus und erstmal ein Fahrbier genießen. (Ein Schnaps wäre nötiger gewesen, denn auf der Hinfahrt passieren wir einen schweren Unfall auf der A2, der – wie wir dann später erfahren – 2 Todesopfer forderte).

Wir schauen den Biokühen beim Wiederkäuen zu, grüßen ab und zu den auf seinem Traktor vorbeifahrenden Bauern und genießen das Nichtstun. Klar, wir könnten jetzt auch im heimischen Garten sitzen. Aber mal ehrlich – wie lange würde das gut gehen? Spätestens nach einer Stunde würde man entweder anfangen, Unkraut zu zupfen oder doch noch das dringende Dies und Das im Haushalt zu erledigen. Hier ziehen wir höchstens mal von der Markisenseite auf die andere Seite des Wohnmobils um, um mehr Sonne abzubekommen. DIe Hofhunde kommen vorbei und lassen sich huldvoll streicheln, bei uns Vegetariern ist auch nicht viel mehr als Streicheleinheiten zu holen. Wir spielen passend zum Landleben eine Runde „Bohnanza“, erkunden den Hof und kochen in erprobter Campingweise – einer drinnen, die anderen draußen zum schnibbeln  – und unterhalten uns. Was für ein schöner, gelungener Abend. 

Kühe, so haben wir inzwischen gegoogelt, brauchen nur 4 Stunden Schlaf am Tag. Wir etwas mehr. Deswegen werden um 23 Uhr die Lichterketten ausgeknipst, das 3. Bett für die Tochter gerichtet und eine gute Nacht gewünscht. Vom Bett aus können wir die Kühe beim Mondschein immer noch kauen sehen….

Holländische Leichtigkeit

Am nächsten Morgen Frühstück mit den Hofhunden, die weiterhin enttäuscht sind, dass sie nur ein wenig Käse abstauben können. Die Spiegeleier stammen von den Hühnern gegenüber und schmecken deutlich besser als daheim. Mit dem Fahrrad geht es dann über die holländische Grenze an schönen Landsitzen vorbei zum Samstagsmarkt nach Winterswijk. Ach, wie schön, nach der langen Coronazeit: Poffertjes und Fischbrötchen und bummeln! O.k., das findet der dritte im Bunde nicht ganz so toll. Aber nach dem 3. Geschäft gibt er klein bei und lässt sich überzeugen, dass man sich jetzt und hier doch ein wenig neu einkleiden könnte.

Zum Abschluss gibt’s noch Käse- und Apfelpfannkuchen, Rivela und eine ebenso schöne Radtour zurück. Der 2. Abend unterscheidet sich nicht sonderlich vom ersten und überzeugt uns einmal mehr, dass das mit dem Wohnmobil eine gute Idee war. 

Keine gute Idee ist hingegen an einem Sonntag Vormittag bei Obelink vorbei zu schauen. Das holländische Camping-Supergeschäft zieht halb Holland und NRW in seinen Bann. Zum Glück gibt’s am Eingang Lagepläne und wir schaffen einen zügigen Durchmarsch, bei dem wir nur zwei, drei Dinge mehr kaufen, als auf der Unbedingt-notwendig-Liste standen. 

Wir werden Camper

Die ersten Male

Klar wissen wir, wie das mit dem Wohnmobil geht. Wir waren ja immerhin schon in USA, Canada, Neuseeland und Australien damit unterwegs. Allerdings nicht in Deutschland. Aber jetzt ändert sich das. Seit 3 Wochen sind wir stolze Wohnmobilbesitzer – nach Zoommeetings, Wandern und Haus ausmisten – der Corona-Megatrend. Die anderen 3 Sachen haben wir natürlich vorher auch brav gemacht. Und jetzt eben ein Campervan. Schon seit einem halben Jahr überlegt, ging’s dann schlußendlich durch Andrea und Hans und deren Supervan angefixt, ganz schnell. Da das Supermodell (ein Bresler Junior DK 541 ) eben schon an die beiden vergeben war, gaben wir uns mit der Zweitwahl (für Kenner: einem Pössl 2 winR) zufrieden.
Man muss ja auch mal Glück haben.

Man muss ja auch mal Glück haben

DerRentner, der ihn in Ebay-Kleinanzeigen anbot, hatte Mailprobleme und wohl die zig hundert Anfragen, die er garantiert bekommen hat, übersehen. Wir fuhren hin, guckten an und fragten: „Wie geht’s jetzt weiter?“ „Tja, wer als erster kommt …..“. Da haben wir nicht lang gefackelt, sind mit auf eine Tasse Kaffee gegangen und haben den Kaufvertrag unterschrieben. Viel schwieriger als das, war es dann, einen Zulassungstermin zu bekommen

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Der erste Ausflug dann über Nacht auf einen Waldparkplatz. Herrlich mit Vogelgezwitscher eingeschlafen und bei 6 Grad bibbernd wieder aufgewacht. Aber wir haben ja Gasheizung. Muss sich nur einer bereit erklären, sich aus der Decke zu schälen und schnell mal einzuheizen. Das nächste Mal ging’s dann gleich für 3 Nächte am verlängerten Wochenende auf Tour. An die Weser, die Räder im Gepäck. Da uns bewußt war, dass an dem Datum wirklich alles, was sich mobiles Heim nennt, unterwegs sein würde, hatten wir sogar beim ersten Platz angerufen und reserviert. Obwohl das – so diverse Foren – auch keine Garantie sei. Der nette Kiosk- und Campingplatz-Wirt hatte aber Wort gehalten und sich unseren Wunsch notiert. Eigentlich wäre der Platz ja schon viel zu voll und der dürfte uns nicht drauf lassen. Tat er aber doch -und weitere 10 Wohnmobile nach uns auch noch. 

Zum Glück hatten wir Stühle ausklappen (gar nicht so einfach die Franzosen) und Markise aufbauen zu Hause schon mal geübt. Man will ja nicht gleich als Neuling auffallen. Mit der Markise ist das so eine Sache: Der Camper fährt die mal total gerne gleich aus, das ist so wie Territorium vergrößern und abstecken. Ich weiß noch nicht genau, wie groß die Bannmeile um die Markise herum ist, aber jedenfalls gehört das, kurz nach Trittstufe ausfahren, Dachluke öffnen und ,Antenne ausrichten , zum must-do bei der Ankunft. 
Und da ist der Unterschied zu den fernen Ländern und unseren bisherigen Campingerfahrungen. Da ist das ehrliche Interesse an den neuen fahrenden Volk-Nachbarn größer und ein Schwätzchen wichtiger als Revierverteidigung. Mag auch daran liegen, dass die besagten Länder alle über deutlich mehr Territorium verfügen. Nicht nur überhaupt, sondern auch auf den meisten ihrer Campingplätze.

Etwas sinnfrei

Aber wir stehen da ganz gut in 3. Reihe leicht erhöht mit Blick auf die Weser. Natürlich ist unser Stromkabel, dass wir – nach zig Youtubevideos gucken – als das einzig richtige empfanden, viel zu kurz und der freundliche Campingwirt muss uns eine Kabeltrommel leihen. Leicht sind wir an dem Abend am zweifeln, als wir im Regen zwar gemütlich aber doch etwas sinnfrei im Wohnmobil sitzen und dann doch auch die Satellitenschüssel – die wir zwar gar nicht wollten, die aber einfach dabei war – ausfahren. Ist das wirklich unser Ding mit dem Camping?

Aber am nächsten Morgen scheint die Sonne, wir können draußen frühstücken und die geplante Fahrradtour machen. So hatten wir uns das vorgestellt. Als wir dann schwitzend nach 50 Kilometern (nein keine E-Bikes) zurückkehren, könnte es so schön sein, beim Kaffee unter der Markise. Aber der neue Campingnachbar will mit an unsere Kabeltrommel, was wir zwar gerne erlauben, aber leider mit dem Ausfall unseres Stromsystems bezahlen. Eine Stunde suchen wir erst nach den Sicherungen und dann nach dem Fehler. Ab und zu kommt ein erfahrener, hilfsbereiter Camper vorbei und gibt Tipps, Ratschläge oder Anekdoten zum besten, was ihm mal mit seinem Gefährt passiert sei. Genervt geben wir auf, nachdem der verursachende FI-Schalter einfach nicht mehr einrasten will, und stellen den Kühlschrank auf Gas um. Schade, es hätte fast der perfekte Campingtag sein können. Dann kippe ich zu allem Überfluss statt Kochcreme Kokosmilch in den Kartoffel-Rote-Beete-Stampf, was dann doch eine etwas wilde Mischung ist. Aber das Bier ist kalt und das Gewitter macht es heimelig ….

Neuer Tag, neues Campingglück

Weiter geht’s. Zwar nur 25 Kilometer Richtung Holzminden, aber wir wollen den Tag ja auch nicht mit fahren vergeuden. Mit einem 3,5 Tonner durch steile Haarnadelkurven der sogenannten Fühler Schweiz, braucht man da auch schon mal eine gute 3/4 Stunde für.
Der nächste ausgeguckte Stellplatz entpuppt sich als deutsches Horrorcamping, eng an eng und teils direkt an der Straße. Also parken wir erstmal vor einem Schwimmbad und radeln los ins schöne Höxter. Und da – von der anderen Uferseite – sehen wir einen schönen Platz direkt am Wasser. Den wollen wir haben! Also zurück mit dem Fahrrad, selbiges aufgeladen und mit dem Wohnmobil wieder retour. Dunkel erinnern wir uns noch an eine Brückenverengung, die uns dann 500 Meter vor dem Stellplatz mit voller Härte trifft. Durchfahrtsbreite 2,10 Meter. Viel breiter ist unser Gefährt zwar nicht, aber um damit eine Kurve durch Betonpoller zu nehmen, ist es uns nun doch noch zu neu. Also lieber weg vom Fluß und den Umweg für die großen Brummis nehmen.
Der Platz ist wirklich schön und wir parken mit Blick auf die Weser. Der freundliche Campingwart kassiert dafür 9 Euro und weitere 1,50 Euro für die bestellten Brötchen, die er morgen früh vorbeibringen wird. Wir müssen nur eine Plastiktüte an den Außenspiegel hängen. Toll sowas gab es Overseas nicht! Jetzt sind wir wieder im Einklang mit uns und dem Campingleben.
Dass wir nach dem letzten dumpen (für Nichtcamper: Schmutzwasser und Toilette entleeren) unsere Toiletten-Kassette nicht ganz richtig wieder eingebaut haben, so dass der Abfluss nicht so funktioniert, wie er soll, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht …..